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· Stephan · Visualisierung

360-Grad-Rundgang erstellen: selbst machen oder erstellen lassen

Einen virtuellen 360-Grad-Rundgang zu erstellen, ist heute kein Hexenwerk mehr. Welcher Weg der richtige ist, hängt an einer Frage: Gibt es den Ort schon? Einen bestehenden Raum nehmen Sie mit einer 360°-Kamera auf und setzen die Panoramen mit Tour-Software zusammen. Was erst geplant ist, eine Halle, ein Haus, eine Anlage, wird als 3D-Szene aufgebaut und gerendert. Hier sind beide Wege Schritt für Schritt, mit ehrlicher Einschätzung, wann Sie es selbst machen können und wann sich ein Profi lohnt.

Die zwei Wege zum Rundgang

  • Fotografiert: Sie stellen eine 360°-Kamera in den Raum und nehmen an jedem Standpunkt ein Panorama auf. Schnell und günstig, funktioniert aber nur für Räume, die existieren und vorzeigbar sind.
  • Gerendert: Der Ort entsteht als 3D-Modell, zum Beispiel in Blender, und jede Station wird als 360°-Panorama berechnet. Aufwendiger, dafür unabhängig davon, ob es den Ort schon gibt, und jederzeit änderbar.

Die Tour selbst, also Navigation zwischen den Stationen, Hotspots und Infopunkte, wird in beiden Fällen gleich gebaut.

Weg 1: Einen Rundgang mit 360°-Kamera selbst erstellen

1. Standpunkte planen

Gehen Sie den Ort einmal ab und legen Sie fest, wo der Betrachter „stehen" soll: in jedem Raum mindestens ein Standpunkt, in größeren Räumen mehrere. Zwischen zwei Standpunkten sollte Sichtverbindung bestehen, sonst wirkt der Wechsel wie ein Sprung. Räumen Sie auf, bevor Sie anfangen; eine 360°-Aufnahme zeigt alles, auch das Kabel hinter dem Sofa.

2. Aufnehmen

Eine 360°-Kamera (verbreitet sind etwa Modelle von Insta360 oder Ricoh Theta) nimmt das komplette Panorama mit einem Auslösen auf. Wichtig sind:

  • Stativ statt Hand, damit die Kamera ruhig steht und Sie selbst nicht im Bild sind.
  • Gleiche Höhe an allen Standpunkten, ungefähr Augenhöhe, damit der Rundgang nicht „hüpft".
  • Belichtung festhalten oder Belichtungsreihen (HDR) nutzen, damit Fenster nicht ausbrennen und die Helligkeit von Raum zu Raum gleich bleibt.

3. Nachbearbeiten

Die meisten Kameras setzen das Panorama selbst zusammen (Stitching). Danach lohnt ein kurzer Blick auf Horizont, Farbe und Belichtung; das Stativ am Boden lässt sich oft per Logo oder Retusche abdecken.

4. Tour bauen

In einer Tour-Software verknüpfen Sie die Panoramen: Pfeile oder Punkte für den Wechsel zur nächsten Station, Hotspots für Texte, Bilder oder Videos, dazu ein Grundriss oder eine Übersichtskarte. Bekannte Werkzeuge sind zum Beispiel Pano2VR, 3DVista oder krpano; als kostenlose Grundlage gibt es die quelloffene Bibliothek Marzipano. Plattformen wie Matterport bündeln Aufnahme, Tour und Hosting in einem Abo.

5. Veröffentlichen

Entweder exportieren Sie die Tour als Web-Paket und legen sie auf Ihre eigene Website, oder Sie hosten sie beim Software-Anbieter. Der erste Weg kostet keine laufenden Gebühren, der zweite ist bequemer. Prüfen Sie die fertige Tour am Smartphone, dort wird sie am häufigsten angesehen.

Weg 2: Einen Rundgang in 3D rendern

Dieser Weg ist unser tägliches Handwerk. Er ist nötig, sobald es den Ort nicht gibt oder er nicht so aussieht, wie er gezeigt werden soll.

1. 3D-Szene aufbauen

Grundlage sind Pläne, CAD-Daten oder Referenzfotos. Daraus entsteht in Blender die Szene: Geometrie, Materialien, Licht. Hier steckt der größte Teil der Arbeit, denn im Panorama sieht der Betrachter in alle Richtungen, auch an die Decke und in jede Ecke.

2. Panoramen rendern

In Blender stellen Sie dafür in Cycles die Kamera auf den Typ Panoramic mit der Projektion Equirectangular und wählen ein Seitenverhältnis von 2:1. Die Kamera kommt an jeden Standpunkt, ebenfalls auf Augenhöhe. Für eine scharfe Ansicht braucht ein Panorama eine hohe Auflösung, denn der Betrachter sieht immer nur einen Ausschnitt davon. Wie realistische Licht- und Umgebungsstimmung gelingt, zeigen unsere Beiträge 10 Tipps für realistisches Rendering bei virtuellen 3D-Touren und HDRI-Maps in Blender richtig einsetzen.

3. Tour bauen und übergeben

Ab hier geht es weiter wie beim fotografierten Rundgang: Panoramen in die Tour-Software, Stationen verknüpfen, Hotspots setzen, als Web-Paket exportieren. Der Vorteil des gerenderten Wegs zeigt sich später: Ändert sich die Ausstattung, rendern Sie die betroffenen Stationen neu, statt alles neu aufzunehmen.

Selbst machen oder Profi? Eine ehrliche Einschätzung

  • Eine Wohnung, ein Ladengeschäft, ein kleines Büro: Mit 360°-Kamera und Tour-Software gut selbst machbar. Rechnen Sie mit Einarbeitungszeit für die Software.
  • Große Objekte, Hotels, Industrie in Bestandsräumen: Hier zahlen sich Erfahrung mit Licht, Standpunkten und konsistenter Bildqualität aus. Ein spezialisierter Fotograf ist oft die bessere Wahl, etwa unser Partner Team360.
  • Der Ort existiert noch nicht (Neubau, geplante Halle, Anlage für den Messestand): Ohne 3D-Know-how kaum machbar. Das ist der Fall für einen gerenderten Rundgang.

Was die Wege jeweils kosten, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengetragen: 360-Grad-Rundgang Kosten: Preise fotografiert vs. gerendert.

Zwei gerenderte Beispiele zum Ausprobieren

So sieht das Ergebnis aus, frei im Browser begehbar: das Waldhaus, ein Einfamilienhaus mit Garten, vollständig in Blender aufgebaut, und Digibook, eine virtuelle Maschinenhalle mit Stationen entlang eines Produktions-Workflows.

FAQ: Virtuellen Rundgang erstellen

Welche Kamera brauche ich für einen 360-Grad-Rundgang?

Für den Einstieg reicht eine 360°-Kamera, die das ganze Panorama mit einem Auslösen aufnimmt, dazu ein Stativ. Für höchste Bildqualität arbeiten Profis teils mit Spiegelreflex- oder Systemkameras und Panoramakopf, das ist aber deutlich aufwendiger.

Welche Software brauche ich für einen virtuellen Rundgang?

Eine Tour-Software, die Panoramen zu einer begehbaren Tour verknüpft, etwa Pano2VR, 3DVista oder krpano; kostenlos gibt es die Bibliothek Marzipano. Für gerenderte Rundgänge kommt ein 3D-Programm wie Blender dazu.

Kann ich einen Rundgang für ein Gebäude erstellen, das noch nicht gebaut ist?

Ja, aber nicht mit der Kamera. Dafür wird das Gebäude aus Plänen oder CAD-Daten als 3D-Szene aufgebaut und jede Station als Panorama gerendert.

Wie lange dauert es, einen virtuellen Rundgang erstellen zu lassen?

Bei einem gerenderten Rundgang rechnen wir standardmäßig mit etwa drei Wochen vom Start bis zur Übergabe. Fotografierte Touren gehen meist schneller, weil der Ort schon existiert.

YouTube · @cg_mechanics

Diese Themen mache ich auch als Video.

Seit 2012 produziere ich unter @cg_mechanics deutschsprachige Blender-Tutorials — Hard-Surface, Industrial Design, Animation. Abonnieren Sie den Kanal für neue Videos.